Am 31. März 2026, dem Transgender Day of Visibility (TDOV), organisierte die TU Graz die österreichweit koordinierte Veranstaltung „Geschlechtervielfalt im Universitäts- und Breitensport“. Ziel war es, konkrete Wege auszuloten, wie trans, nicht-binäre und genderqueere Personen im Universitäts- und Breitensport sicher, wertschätzend und strukturell verankert teilhaben können.
Die Hauptveranstaltung wurde an der Universität Graz durchgeführt und zugleich an mehrere Standorte sowie online übertragen. An der Durchführung des Events waren Hochschulen, Hochschulvertretungen und Initiativen zur queeren Sportausübung beteiligt.
100% Sport war durch die Podiumsteilnahme von Liam Strasser (Referent für geschlechtliche Vielfalt im Sport) an der Veranstaltung vertreten.
1) Fachvortrag: Bodyshaping, Self-Care und Empowerment – trans, nicht-binäre und genderqueere Perspektiven im Kraftsport
Den fachlichen Auftakt bildete ein Vortrag von Jannis Ruhnau (Universität Bielefeld) mit Fokus auf trans, nicht-binäre und genderqueere Perspektiven im Kraftsport.
Ausgangspunkt war die Einordnung von Kraftsport als potenziell geschlechtsbestärkende Praxis (z. B. durch körperformende Effekte), die jedoch gleichzeitig mit Barrieren verbunden sein kann – etwa im Kontext von Trainingsräumen und deren sozialen Normen.
2) Podiumsdiskussion: Was Institutionen konkret verändern können
Auf den Input folgte eine Podiumsdiskussion, die danach fragte, welchen Beitrag Universitäten, Sportverbände und Sportvereine leisten können, um Teilhabe zu ermöglichen – und was das für Lebensqualität und Zugehörigkeit bedeutet.
Am Podium vertreten waren Jannis Ruhnau, Nikola Staritz (fairplay -Initiative für Vielfalt und Antidiskriminierung), Liam Strasser (100% Sport) und Fox Given (Vienna Roller Derby). Moderiert wurde das Podium von Sophie Whybrew (Universität Graz / Dust City Rollers Graz).
3) Rahmenprogramm: Inklusion „in Bewegung“ bringen
Nach der Podiumsdiskussion bot sich an mehreren Standorten die Möglichkeit, Sport- und Bewegungsangebote kennenzulernen und auszuprobieren.
In Graz wurden u. a. verschiedene geschlechterinklusive Sportinitiativen und Gruppen sichtbar gemacht – von Team- und Trendsportarten bis hin zu Community-Angeboten. Auch an weiteren Orten gab es standortspezifische Aktivitäten, z. B. Workshops/Angebote in Linz oder Salzburg.
4) Medien-Nachklang: Audio-Bericht mit Ausschnitten
Das Format wurde im Nachgang in einer Audio-Berichterstattung aufgegriffen, die Ausschnitte aus Fachvortrag und Podium beinhaltet (Produktion/Veröffentlichung: 13. April 2026, Radio Helsinki / SportLeit): SportLeit – „Geschlechtervielfalt im Universitäts- und Breitensport“ (CBA Media)
Erwähnte Inhalte durch Liam Strasser (100% Sport):
Wissensgenerierung (min 43:31):
- Charta für geschlechtliche Vielfalt im Sport – Seitenwechsel Berlin e.V.
100% Sport hat die Charta im Dezember 2023 unterzeichnet.
- BundesNetzwerkTagung des queeren Sports – BuNT
Liam ist seit Herbst 2022 Mitglied des Organisationsteams.
- Equality Within Sports Committee – ENGSO
Liam ist seit August 2022 Mitglied dieses Komitees.
100% Sport Anlaufstelle bei Diskriminierung (45:15):
Veranstaltungshinweis (53:31):
Zentrale Takeaways (als Reflexion für die Praxis)
Aus dem Gesagten lassen sich für den Sport folgende Handlungsfelder ableiten:
- Sicherheits- und Schutzkonzepte sollten Geschlechtervielfalt explizit berücksichtigen (z. B. Umgang mit Outing-Risiken, Diskriminierung, Ansprechstellen).
- Strukturen im Sport sind oft binär organisiert – Teilhabe gelingt dort besser, wo Routinen bewusst hinterfragt werden, Sensibilisierung stattfindet und ggf. gruppenspezifisches Sportangebot gelockert/weiterentwickelt wird.
- Räume & Kultur – Umkleiden, Sanitäranlagen, Sprache in Formularen/Kommunikation etc. prägen Zugehörigkeit – nicht erst das Training selbst.
- Persönliche Erfahrung anerkennen – Oft wird extern nach Lösungen gesucht, dabei gibt es bereits in der Struktur selbst Expertise, die sichtbar gemacht werden kann.
Beitragsbild: Manu Harvey – @thatgaydesigner